Besser arbeiten durch weniger Zeit: Ende der Test-Phase und (zunächst) keine Fortsetzung der 5-Stunden-Arbeitstage. Ein Resümee.

Mennewisch & Co. testet 5-Stunden-Arbeitstage für die Dauer von drei Monaten +++ Kein ausschließlich positiver Impact erkennbar +++ Orientierung an Zeit kollidiert mit unserer Grundeinstellung zur Arbeit

Wie lange muss eigentlich ein Arbeitstag sein? Mit dieser Frage haben wir uns im letzten Halbjahr des Jahres 2019 intensiv beschäftigt und im letzten Quartal einen Test dazu durchgeführt. Die Grundthese hinter diesem Experiment war, dass Effizienz- und Produktivitätspotenziale durch eine künstliche Verknappung vorhandener Arbeitszeit gehoben werden können.

Fünf Stunden am Tag mussten ausreichen. Wir haben vorher Prozesse optimiert und Abläufe angepasst. Ein Morgenmeeting mit den Inhalten „Was brauche ich heute von anderen“? und „Worauf warte ich?“ startete den Tag. Sämtliche Tätigkeiten haben wir mit einem Tool zeitlich getrackt. Um 15h endete der Arbeitstag. Arbeiten danach war quasi untersagt – mit milden Ausnahmen: Das Weiterleiten einer E-Mail war genauso ok wie das Beantworten eines Kundenanrufes – logisch.

Was haben wir aus dieser Zeit gelernt? Stressig kann es sein. Fünf Stunden sind kurz. Wir haben festgestellt, dass sich viele Aufgaben wirklich schneller erledigen lassen. Wir haben auch festgestellt, dass die Verknappung von Zeit auch zu einer Erhöhung von Druck führt. Und wir haben gelernt, dass nicht jeder gerne mit diesem Druck arbeitet oder arbeiten kann. Diese Art zu arbeiten erfordert ferner viel Disziplin: Der Einwurf eines kleinen Sonder-ToDos oder ein unerwartetes Anliegen eines Geschäftspartners kann die Struktur und Effizienz des kurzen Tages schnell durcheinanderbringen.

Interessant waren die Nebeneffekte. Auf einmal hatte man privat sehr viel Zeit. Das Frühstück zu Hause wurde sehr verlängert und getreu dem Motto „Work expands so as to fill the time available for its completion” wurden Aufgaben zu Hause zu Ewig-Vorhaben – schließlich war nun viel mehr Zeit da als noch zuvor unter „normalen“ Arbeitsbedingungen.

Nach diversen Gesprächen und internen Evaluationen, haben wir uns von einer Zukunft mit dem 5-Stunden-Arbeitstag zunächst verabschiedet. Unser Firmen-Mindset tickt anders. Wir wollen Output. Ergebnisse. Work done. Impact. Resultate. Keines dieser Kriterien lässt sich in Zeit messen. Zeit ist egal. Für uns ist dieses Mindset nicht mit einem Zeitbudget – ob nun fünf, acht oder zehn Stunden – vereinbar. Wir brauchen hier eine bessere Lösung. Eine Lösung, die sich rein am Output orientiert.

Diese Lösung haben wir bisher nicht gefunden. Wir arbeiten dran und werden ein neues Experiment starten. Wir sind froh, dass wir solche Tests durchführen können, und dass alle Kollegen bei diesen Tests mitziehen. Das ist nicht selbstverständlich. Das allein ist schon ein schönes Take-away aus dieser Zeit.

Dirk Mennewisch Mennewisch & Co. GmbH

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